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Acryl mit dem Laser schneiden: Einstellungen, Sicherheit und Projektideen

·10 Min. Lesezeit
Acryl mit dem Laser schneiden: Einstellungen, Sicherheit und Projektideen

Acryl ist nach Holz das zweitbeliebteste Material für Laserprojekte – und das aus gutem Grund. Es lässt sich sauber schneiden und erhält polierte, flammveredelte Kanten. Gravuren erscheinen mattweiß und sehen professionell aus. Acryl ist in Dutzenden Farben, Transparenzstufen und Oberflächen erhältlich. Und es verkohlt, raucht und riecht nicht wie Holz (auch wenn es einen eigenen Geruch hat).

Acryl besitzt jedoch Eigenheiten. Die falsche Acrylart liefert schlechte Ergebnisse. Der falsche Laser kann es überhaupt nicht schneiden. Eine unzureichende Belüftung kann krank machen. Dieser Leitfaden erklärt, was du wissen musst, bevor du Acryl in deinen Laser legst.

Gegossenes oder extrudiertes Acryl

Für die Laserbearbeitung ist dies der wichtigste Unterschied bei Acryl – und derjenige, den Einsteiger am häufigsten übersehen.

Gegossenes Acryl

Gegossenes Acryl entsteht, indem flüssiges Acryl in eine Form gegossen wird und dort aushärtet. Das Ergebnis ist eine Platte mit hervorragender optischer Klarheit, gleichmäßiger Dicke und besonders guten Lasereigenschaften.

Lasergravur: Erzeugt eine helle, mattweiße Markierung. Dies ist die matt gravierte Optik von Auszeichnungen, Schildern und Dekorationsstücken. Der starke Kontrast zwischen der klaren (oder farbigen) Oberfläche und der weißen Gravur lässt Acrylgravuren besonders hervorstechen.

Laserschneiden: Ergibt saubere, polierte und beinahe glasartige Kanten. Der Laserstrahl selbst flammpoliert sie, sodass keine Nachbearbeitung nötig ist. Das ist der charakteristische Vorteil von Acryl: Kanten, die direkt vom Laserbett maschinell poliert wirken.

Verfügbarkeit: Teurer als extrudiertes Acryl. Bekannte Markennamen sind unter anderem Plexiglas (gegossenes Markenacryl), Acrylite und Lucite.

Extrudiertes Acryl

Extrudiertes Acryl wird hergestellt, indem geschmolzenes Acryl durch eine Düse gepresst wird. Die Herstellung und damit auch der Kauf sind günstiger. Die Plattenabmessungen sind gleichmäßiger, doch das Verhalten unter dem Laser unterscheidet sich.

Lasergravur: Erzeugt eine weniger scharfe, eher schmierige Markierung. Die Gravurkanten sind weder so sauber noch so weiß. Bei detailreichem Text oder feinen Grafiken liefert extrudiertes Acryl deutlich schlechtere Ergebnisse als gegossenes.

Laserschneiden: Ergibt etwas rauere Kanten, die kleine Bläschen oder eine matte Oberfläche aufweisen können. Anders als bei gegossenem Acryl sind die Kanten nicht flammpoliert. Für ein fertiges Erscheinungsbild müssen sie eventuell leicht geschliffen oder poliert werden.

Verfügbarkeit: Günstiger und in Baumärkten weiter verbreitet. Home Depot und Lowe's führen überwiegend extrudiertes Acryl.

Schneller Vergleich

EigenschaftGegossenes AcrylExtrudiertes Acryl
GravurqualitätHervorragend (hellweiße Mattierung)Mittel (schmierig, weniger Kontrast)
Qualität der SchnittkanteFlammpoliert, klarRauer, möglicherweise matt
PreisHöher ($$ - $$$)Niedriger ($ - $$)
Gleichmäßigkeit der DickeGutBesser
BezugsquellenFachhändler, Shops für LasermaterialBaumärkte, Amazon
Für Laser empfohlenJaNur zum Schneiden (nicht zum Gravieren)

Tipp

Verwende zum Gravieren immer gegossenes Acryl. Der Qualitätsunterschied ist enorm. Wenn du ausschließlich schneidest (ohne Gravur), ist extrudiertes Acryl akzeptabel und spart Geld. Viele Projekte umfassen sowohl Schneiden als auch Gravieren; deshalb ist gegossenes Acryl für die meisten Laserarbeiten die Standardwahl.

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Laserkompatibilität

Nicht jeder Laser kann Acryl schneiden. Für neue Laserbesitzer ist das häufig eine Überraschung.

CO2-Laser

CO2-Laser schneiden und gravieren Acryl hervorragend. Ihre Wellenlänge von 10,6 Mikron wird von Acryl effizient absorbiert und ermöglicht saubere Schnitte sowie scharfe Gravuren. Die meisten CO2-Laser (ab 40 W) können gegossenes Acryl bis zu 1/4 Zoll (6 mm) schneiden. Höhere Leistungen (60 bis 100 W) bewältigen dickere Platten und schneiden schneller.

CO2-Laser sind der Standard für Acrylarbeiten. Wenn du einen Laser speziell für Acrylprojekte kaufst, ist CO2 die richtige Wahl.

Diodenlaser

Die meisten Diodenlaser können klares oder helles Acryl überhaupt nicht schneiden. Ihre Wellenlänge (üblicherweise 445 nm, blaues Licht) durchdringt transparentes Acryl, ohne absorbiert zu werden. Der Laserstrahl wandert durch das Material wie Licht durch ein Fenster.

Schwarzes und sehr dunkles Acryl absorbiert die Wellenlänge des Diodenlasers und lässt sich schneiden, allerdings langsam und mit schlechterer Kantenqualität als bei CO2.

Farbiges Acryl verhält sich unterschiedlich. Tiefes Rot, dunkles Blau und andere stark gesättigte Farben können genügend Energie zum Schneiden absorbieren. Pastell- und helle Farben funktionieren im Allgemeinen nicht.

Deckend/matt weißes Acryl funktioniert manchmal mit leistungsstarken Diodenlasern (mindestens 10 W), doch die Ergebnisse unterscheiden sich je nach Marke.

Wenn du einen Diodenlaser besitzt und Acryl bearbeiten möchtest, teste das konkrete Material, bevor du ein Projekt beginnst. Kaufe eine kleine Musterplatte und versuche, eine einfache Form auszuschneiden.

LasertypKlares AcrylSchwarzes AcrylFarbiges Acryl
CO2 (mindestens 40 W)Schneidet und graviertSchneidet und graviertSchneidet und graviert
Diode (5 bis 20 W)Kann nicht schneidenSchneidet (langsam)Abhängig von Farbe/Deckkraft

Leitfaden für Einstellungen

Einstellungen hängen von Maschine, Leistung und Materialdicke ab. Die folgenden Werte sind Ausgangspunkte. Teste immer zuerst an einem Reststück.

Schneiden (CO2-Laser)

DickeLeistung (40 W)GeschwindigkeitDurchgänge
1/16 Zoll (1,5 mm)60 bis 70 %8 bis 10 mm/s1
1/8 Zoll (3 mm)80 bis 90 %5 bis 7 mm/s1
3/16 Zoll (4,5 mm)90 bis 100 %3 bis 5 mm/s1 bis 2
1/4 Zoll (6 mm)100 %2 bis 3 mm/s2

Bei Lasern mit höherer Leistung (60 bis 100 W) erhöhst du die Geschwindigkeit proportional. Ein 60-W-Laser schneidet 3 mm dickes Acryl mit ungefähr 12 bis 15 mm/s.

Air Assist ist beim Acrylschneiden unverzichtbar. Der Luftstrom bläst Flammen von der Schnittkante weg und verhindert Rückzündungen. Ohne Air Assist kann sich Acryl entzünden und brennen (ja, Acryl ist entflammbar). Nutze beim Schneiden immer Air Assist.

Gravieren (CO2-Laser)

EffektLeistungGeschwindigkeit
Leichte Mattierung (dezenter Text)15 bis 25 %200 bis 300 mm/s
Standardgravur (Schilder, Grafiken)30 bis 50 %150 bis 250 mm/s
Tiefe Gravur (fühlbar, strukturiert)60 bis 80 %100 bis 150 mm/s

Auf der Rückseite gravieren. Graviere klares oder farbiges Acryl durch die Schutzabdeckung auf der Rückseite. Die Gravur erscheint als mattweiße Markierung, die von vorn sichtbar ist. Da die Vorderseite glatt und glänzend bleibt, wirkt das Ergebnis sauber und professionell.

Info

Lass das Schutzpapier beziehungsweise die Schutzfolie beim Gravieren auf dem Acryl. Dadurch haften Rauchrückstände nicht an der Oberfläche. Ziehe die Abdeckung nach dem Gravieren ab, um ein vollkommen sauberes Werkstück zu erhalten. Wird das Acryl ohne Abdeckung geliefert, bringe vor dem Gravieren Transferfolie oder Malerkrepp auf.

Sicherheit

Bei der Lasersicherheit für Acryl geht es vor allem um Belüftung und Brandschutz.

Belüftung

Beim Schneiden und Gravieren von Acryl entstehen Methylmethacrylat-Dämpfe (MMA). Sie haben einen scharfen, süßlichen chemischen Geruch. Bei geringen Mengen und geeigneter Belüftung ist das Gesundheitsrisiko niedrig. Eine dauerhafte Belastung ohne Belüftung kann jedoch Kopfschmerzen, Übelkeit und Reizungen der Atemwege verursachen.

Leite Dämpfe immer nach draußen ab, und zwar über das Abluftsystem deines Lasers. Wenn du keine Außenentlüftung besitzt, verwende ein hochwertiges Rauchabsaugsystem mit Aktivkohlefiltern. Schneide Acryl nicht in einem geschlossenen Raum ohne Belüftung.

Brandgefahr

Acryl ist entflammbar. Es kann sich entzünden, wenn der Laser zu lange an einer Stelle verweilt, Air Assist ausfällt oder ein ausgeschnittenes Teil in den Strahlengang kippt.

Vorbeugende Maßnahmen:

  • Beim Schneiden immer Air Assist verwenden
  • Den laufenden Laser nie unbeaufsichtigt lassen
  • Einen Feuerlöscher in Griffweite bereithalten
  • Sicherstellen, dass ausgeschnittene Teile nicht hochkippen können (Stifte oder Niederhalter verwenden)
  • Vor dem Start prüfen, ob der Abluftventilator läuft

Materialien, die NIEMALS in den Laser dürfen

Einige Materialien, die wie Acryl aussehen, sind unter dem Laser äußerst gefährlich:

PVC (Polyvinylchlorid): Setzt Chlorwasserstoffgas frei. Dieses greift Optik, Führungsschienen und Elektronik des Lasers an und kann schwere Gesundheitsschäden verursachen. PVC wird mitunter als „Vinylplatte“ verkauft oder in bestimmten Schaumplatten verwendet.

Polycarbonat (Lexan): Polycarbonat ist nicht so giftig wie PVC, lässt sich mit Lasern aber schlecht schneiden. Es verfärbt sich, schmilzt eher als zu schneiden, entwickelt einen furchtbaren Geruch und fängt leichter Feuer als Acryl.

ABS: Erzeugt beim Lasern giftige Cyanwasserstoffdämpfe. Schneide ABS niemals mit einem Laser.

Warnung

Wenn du nicht sicher bist, ob eine Kunststoffplatte aus Acryl besteht, prüfe Herstellerkennzeichnungen oder Materialdatenblätter. Im Zweifel wird nicht geschnitten. Versehentliches Lasern von PVC kann die Ausrüstung zerstören und schwere Gesundheitsschäden verursachen.

Projektideen

Acryl eröffnet Projektkategorien, die mit Holz nicht möglich sind.

LED-Schilder mit Kantenbeleuchtung

Schneide aus klarem Acryl eine Schildform mit eingraviertem Text oder einer Grafik. Montiere einen LED-Streifen an der Unterkante. Das Licht tritt über die Kante in das Acryl ein und wird nur dort sichtbar, wo die Gravur es streut. So entsteht ein leuchtender Schildeffekt, der in dunkler Umgebung beeindruckend aussieht.

Gestapelte Ebenenkunst

Schneide mehrere Ebenen aus verschiedenfarbigem Acryl und staple sie mit Abstandshaltern dazwischen. Tiefe und Farbe ergeben ein plastisches Kunstwerk. StackLab kann ein Bild automatisch in stapelbare Ebenen zerlegen. Der vollständige Ablauf steht in unserer Anleitung für gestapelte Ebenenkunst.

Anhänger

Klares oder farbiges Acryl mit 1/8 Zoll Dicke ergibt wunderschöne lasergeschnittene Anhänger. Graviere auf der Rückseite, schneide die Kontur und bohre oder schneide ein Loch für das Band. Klares Acryl mit weißer Gravur fängt das Licht am Weihnachtsbaum besonders schön ein.

Ohrringe und Schmuck

Dünnes Acryl (1/16 Zoll oder 1/8 Zoll) in kräftigen Farben ergibt leichten, haltbaren Schmuck. Schneide Formen mit feinen Details, die ohne Spezialausrüstung in Metall unmöglich wären. Ergänze Biegeringe und Ohrhaken.

Namensschilder und Tischaufsteller

Professionell wirkende Tischschilder in wenigen Minuten: Schneide die Form aus klarem oder farbigem Acryl mit 1/4 Zoll Dicke, graviere den Text und montiere sie auf einem kleinen Ständer oder Sockel. Mattiertes Acryl wirkt für Bürobeschilderung besonders professionell.

Schablonen

Schneide Schablonen aus dünnem Acryl statt aus Karton oder Mylar. Acrylschablonen sind steif, abwaschbar und nahezu unbegrenzt haltbar. Sie eignen sich hervorragend für wiederholtes Malen, Sandstrahlen oder Ätzen von Mustern. Wenn du mit einem Bild beginnst, vektorisiere dein Design mit MonoTrace.

Schlüsselanhänger

Schneide aus farbigem Acryl mit 1/8 Zoll Dicke Schlüsselanhänger und graviere Namen, Logos oder Grafiken hinein. Füge ein Loch und einen Schlüsselring hinzu. Sie lassen sich schnell produzieren und sind auf Kunsthandwerksmärkten sowie als Werbeartikel beliebt.

Lasergeeignetes Acryl kaufen

Spezialisierte Laserbedarfshändler (Trotec, Johnson Plastics Plus, Rowmark) verkaufen gegossenes Acryl speziell zum Laserschneiden, häufig bereits mit Schutzabdeckung. Der Preis ist höher, die Qualität dafür garantiert.

TAP Plastics bietet gegossenes Acryl in sehr vielen Farben und Dicken an und schneidet es auf Maß zu.

Amazon verkauft lasergeeignete Acrylplatten in Standardgrößen. Achte in der Produktbeschreibung auf „cast acrylic“ und lies Bewertungen zu Erfahrungen mit Lasern.

Lokale Kunststoffhändler verkaufen oft aus ganzen Platten zugeschnittene Stücke. Nenne die Abmessungen deines Laserbetts, damit sie passende Teile zuschneiden können.

Kaufe Acryl für Laserarbeiten nicht im Baumarkt, sofern du nicht geprüft hast, dass es gegossen (nicht extrudiert) und kein fälschlich als Acryl bezeichnetes Polycarbonat ist.

Schneide etwas aus

Nimm eine Platte aus gegossenem Acryl, führe in einer Ecke einen Testschnitt aus, um deine Einstellungen abzustimmen, und fertige etwas an. Die polierten Kanten und scharfen Gravuren werden dafür sorgen, dass du ebenso oft zu Acryl wie zu Holz greifst.

Wenn du deine Designs auf Acryl bringen möchtest und gerade erst anfängst, lies unseren Einsteigerleitfaden für Laser. Mit der Anleitung zu häufigen Fehlern kannst du dir die Phase ersparen, in der alles auf die harte Tour gelernt wird.

Viel Freude beim Werkeln.

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